Was bringt Landespokalspiel gegen TSG Calbe?
Bernburg. Lucian Mihu ist ein Mann mit klaren Prinzipien. Der 33-Jährige hat seine Vorstellungen vom Thema Fußball, die er auch vertritt. Und wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er das. Ob nun gegenüber seiner Mannschaft. Oder auch gegenüber der Presse.
Vor knapp zwei Wochen, Askania Bernburg hatte gerade am Freitagabend in der ersten Runde des Landespokals mit 4:0 gegen Rot-Weiß Alsleben gewonnen, wurde Mihu gefragt, wie er es findet, dass bereits zwei Wochen später die zweite Runde des Wettbewerbs anstehen würde. Und der Askania-Coach gab offen und ehrlich zu, dass er es nicht gutheißt. „Das gefällt mir nicht und ich finde das auch nicht in Ordnung“, sagte Mihu. Und da die Wahrscheinlichkeit schon damals recht groß war, dass Bernburg erneut auf einen unterklassigen Gegner treffen würde, sagte er außerdem: „Solche Spiele bringen uns nichts.“
Bisher nur graues Mittelfeld
Aus Lucian Mihus Befürchtung ist letztlich ein Stück weit Realität geworden. Askania Bernburg gastiert am Samstagnachmittag (14 Uhr) bei der TSG Calbe. Dessen Platzierungen in den letzten vergangenen Jahren in der Landesliga Nord: 7., 7., 9. 8., 8. - Calbe ist nicht über das graue Mittelfeld hinausgekommen. Zwar wurde die Mannschaft vor der Saison verstärkt und hat große Ambitionen, doch Bernburg sollte, wenn alles normal abläuft, in die nächste Runde einziehen. Wie viel bringt so ein Spiel also?
Nachgefragt bei Marcus Bäcker, 28, Rechtsverteidiger bei Askania Bernburg. „Dass uns die Spiele gar nichts bringen, würde ich so nicht sagen“, meint er zwar, gibt aber auch zu, dass es für einen Spieler „natürlich lukrativer wäre, gegen einen Mitkonkurrenten oder höherklassigen Gegner zu spielen“. In einem Punkt ist Bäcker aber bei seinem Trainer. Die Tatsache, dass zwei Wochen nach der ersten bereits die zweite Landespokal-Runde ansteht, gefällt auch ihm nicht. „Wenn das Hauptaugenmerk auf der Liga liegt, ist das undankbar“, sagt er, „man wird ein bisschen rausgerissen aus dem Betrieb.“
Doch noch einmal zurück zu der Frage nach dem Sinn. Wenn Marcus Bäcker erzählt, es wäre nicht so, dass Spiele gegen unterklassige Gegner gar nichts bringen, kommt natürlich die Frage auf: Was bringen sie denn dann? „Sie bringen auch Weiterentwicklung“, findet Bäcker, „wir müssen uns in solchen Spielen zeigen und auch versuchen Fehler, die wir zuletzt gemacht haben, zu beseitigen.“
Schwachpunkte bei Askania Bernburg in dieser noch jungen Saison zu finden, ist nicht einfach. Die Mannschaft spielt einen guten Fußball. Wenn allerdings etwas dafür verantwortlich ist, dass nach drei Oberliga-Spielen trotzdem nur drei Punkte auf dem Konto stehen, ist es die Häufung von individuellen Fehlern. Sowohl gegen den Bischofswerdaer FV (1:2) als auch gegen International Leipzig (0:2) waren leichtfertige Ballverluste Ausgangspunkt für die spielentscheidenden zweiten Treffer der Gäste.
Doch kann man individuelle Fehler einfach so abstellen? „Ja“, sagt Marcus Bäcker zwar, aber „zu 100 Prozent kann man es aber, glaube ich, nicht vermeiden“. Fußball ist viel Kopfsache. Das weiß auch Rechtsverteidiger Bäcker. „Wir müssen die Konzentration ständig hochhalten“, sagt er deshalb. Auch gegen Calbe. „Da spielt die Unterklassigkeit keine Rolle.“
Ansporn Halbfinale
Die TSG Calbe, klar, wird hochmotiviert in die Partie gehen, auf eine Überraschung hoffen. Askania Bernburg will das nicht zulassen. Auch in Anbetracht der eigenen Pokalvergangenheit. Vor zwei Jahren war im Achtelfinale Endstation, im Vorjahr bereits in der zweiten Runde. „Es wäre schon ein Ansporn, mal ins Halbfinale einzuziehen“, sagt Marcus Bäcker. Und dann hätte sicher auch Trainer Lucian Mihu seine Freude am Pokal.
Vor dem Pokalspiel in Calbe wird Askania Bernburg noch bei einer Veranstaltung der Lebenshilfe in Baalberge sein und dort an den Ständen helfen.