Askania Bernburg unterliegt Merseburg 99 - Eine beängstigende Vertrautheit
SV Merseburg 99 - TV Askania Bernburg 2:0 (1:0)
Merseburg. Wenn man so im 1921 erbauten Stadtstadion in Merseburg sitzt, bekommt man einfach Lust auf Fußball. Natürlich sind die Anlagen in der Oberliga Süd überall gepflegt und modern. Aber ein weites Rund wie in Merseburg mit altehrwürdigen Stehtribünen, die über 10.000 Zuschauern Platz bieten und von gelb lackierten Wellenbrechern gesäumt sind, ist auch in Liga fünf eine Seltenheit. Für zusätzliche Motivation hat das bei den Fußballern des TV Askania Bernburg aber nicht gesorgt. Sie unterlagen am Sonntagnachmittag beim Aufsteiger SV Merseburg 99 mit 0:2.
Bernburg war übertölpelt nach einem Einwurf
Nicolas Weber trottete nach dem Schlusspfiff ernüchtert vom Feld. Der Mittelfeldspieler war einer der Aktivposten im Bernburger Spiel, initiierte viele Angriffe, versuchte häufig, das Spiel anzukurbeln. Allerdings letztendlich erfolglos, Askania kassierte die siebte Niederlage im elften Spiel. „Es ist wie jede Woche“, sagte Weber. Beängstigende Vertrautheit schwang darin mit. Die Spielanalysen Bernburgs sind mittlerweile routinierte Passagen an Ratlosigkeit. „Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagen soll“, gab auch Trainer Lucian Mihu zu.
Merseburg 99 schießt entscheidendes Tor vor der Halbzeit
Wenn man die 90 Minuten im Merseburger Stadtstadion gesehen hat, versteht man ihn. Denn Bernburg hat kein komplett schlechtes Spiel gezeigt. „Die ersten 30 Minuten waren gut“, fand Mihu. Bernburg entwickelte zwar in der Offensive nicht viel Gefahr, ließ dafür gegen den Tabellenvierten aber auch defensiv nichts, außer zwei mehr oder weniger harmlose Fernschüsse zu. Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff fiel dennoch das Tor zum 1:0. „Aus dem Nichts“, so Mihu.
Askania verfiel dabei in die alten Muster, die diese Saison bisher so schwer machen. Nach einem Einwurf an der Mittellinie ließ sich die gesamte Hintermannschaft viel zu einfach übertölpeln, so dass Oliver Seidel den Ball aus fünf Metern nur noch einschieben musste. „Wir bekommen nur solche Tore“, haderte der Trainer, „das kann ich einfach nicht verstehen.“
Ausgleichschancen waren für Askania Bernburg da
Bernburg ging also mit hängenden Köpfen in die Kabine, aber nicht chancenlos. „Wir haben uns vorgenommen, mindestens einen Punkt mitzunehmen“, meinte Nicolas Weber. Doch der TVA musst von Glück sprechen, dass Abdelaziz El Gourmat nach knapp einer Stunde bei seiner Doppelchance erst an Aleksejs Gilnics auf der Linie und dann am Pfosten scheiterte. Dlyar Musa traf Sekunden später ebenfalls nur den Pfosten. „Wenn der Gegner solche Chancen nicht nutzt“, sagte Lucian Mihu, „musst du auf einfach den Ausgleich erzielen.“
Die Chancen dafür hatte Askania - und sie hätten kaum größer sein können. Wenige Minuten nach den Möglichkeiten der Gastgeber stand Christopher Kullmann nach einer Flanke von Tom Fraus frei am Fünfmeterraum, schaffte es aber nicht, den Ball ins, geschweige denn aufs Tor zu bringen. Und nach 70 Minuten köpfte Jan Bauer nach einem Freistoß aus dem Halbfeld frei am Tor vorbei. Bernburg verpasste den Ausgleich - und kassierte zehn Minuten später das vorentscheidende 0:2. Stephan Neigenfink, der starke Kapitän der 99er, zog trocken aus 20 Metern ab. Allerdings ging auch diesem Gegentor ein Ballverlust im Askania-Mittelfeld voraus.
Germania Halberstadt als nächster Gegner
Nach Neigenfinks Tor war Bernburg endgültig matt. „Dann war die Luft raus“, gab Nicolas Weber zu - und erklärte auch warum: „In unserer Situation ist es schwierig, daran zu glauben, so ein Spiel noch zu drehen.“ Weber nahm nicht das Wort „unmöglich“ in den Mund, er hat es aber sehr wohl gedacht.
Am kommenden Sonnabend hat Bernburg den Oberliga-Spitzenreiter Germania Halberstadt zu Gast. Allerdings zum Landespokal-Viertelfinale. Ein anderer Wettbewerb, in dem Askania sein Minimalziel bereits erreicht hat. „Das ist vielleicht ganz gut“, sagte Weber - und trottete weiter Richtung Kabine.